4
Apr
2012

Lichter Aus

Chekhov sagte mal: "Wenn du Einsam seien willst, Heirate!".

Nun, der Herr Chekhov hatte komplett recht. Er wusste wahrscheinlich wie schlimm das ist wenn man über Jahre mit jemanden zusammen ist, diese Person in und auswendig kennt, seine Schwächen herausbekommen, seine Fürze gehört und seine Scheisse in der Toilette gerochen und langsam aber sicher die Liebe zu diesem Menschen verloren hat und nur noch weitere Jahre drangehangen hat weil der Mensch ein Gewohnheitstier ist. So leben die meisten Menschen. Er wusste wahrscheinlich wie das ist neben jemanden zu schlafen und nicht wollen dass der eigene Fuss die kalten Füsse der anderen berührt...shhhhhh, schweigt! Das will ich nicht hören! Dieses alberne Jaaaa aber man kann doch nicht pauschalisieren und viele Menschen sind ja auch glücklich miteinander...bla bla yada yada....

Nein. Dieses Ding genannt Liebe, ist eigentlich eine chemische Reaktion im Körper was mit Hormonausschüttung zusammenhängt. Wenn diese kurze Reaktion vorbei ist, glaubt der Mensch zwar immernoch dass er liebt, ist aber schon längst aus dieser Phase heraus. Danach -und das passiert ziemlich bald- verwechselt dann der Mensch Liebe mit Risikoarmut, Anhänglichkeit, Gewohnheit, Angst und Trägheit. Man lebt mit jemand über 30 Jahre, zieht drei Kinder gross und sobald man sich von diesem Langjährigen Partner trennt, merkt man dass von den 30 Jahren, 29 zuviel waren. Das erkennt man aber erst danach aber der erste Schritt dazu, ist für dich meisten gigantisch und so gut wie nicht durchführbar. Es ist als ob man jahre lang rückwärtslaufend einem Abgrund zusteuert, man weiss dass er da ist und dass man unweigerlich irgendwann tief fallen wird, und dennoch erheitert man sich an dem was man vor sich sieht und erblickt.

Wieso hat der Mensch solch eine Angst vor dem alleinsein? Nicht nur in einer privaten Beziehung sondern auch auf einem höheren level nämlich in einer Gesellschaft ist es meiner Meinung nach so, dass die Menschen in der Gesellschaft sich wohler fühlen weil Ihnen die geistigen Instrummente fehlen um sich selbst kennenzulernen. Die Gesellschaft lenkt sie ab, schlägt die Zeit für sie tot, legt Ihnen Wörter in den Mund sowie Gedanken in den Kopf... und die Menschen haben sich daran gewöhnt. Sie denken sie seien ach so individuell aber letztenendes sind sind sie immer ein Abklatsch fremder Gedanken und Handlungen. Wenn sie etwas nicht sehen, machen sie sofort das Licht an, sie machen Streichhölzer an, sie kennen nur die Hilfe von Aussen, wissen aber nicht dass die effektivste Hilfe von Innen kommt, aus Ihnen selbst heraus kommen muss. Wenn man leidet, muss man nach Innen blicken. Langfristig, geht kein Weg daran vorbei. Nicht sofort nach dem Lichtschalter oder Streichhölzer ausschauhalten, sondern das bisschen Licht was einen daran hindert das wahre ICH endlich kennenzulernen, auch noch löschen...

Ach vergessen wir das ganze...

Caol Ila 18...ein wunderbarer Whiskey..Torf, Meersalz, neee Seetang würd ich nicht sagen aber viel Holz, Lagerfeuerholz...schön

Cheers

Jesse Cook - Cancion Triste

Dr. Kampmann

"Guten Tag Dr. Kampmann"

"Ach tatsächlich! Der Herr Moscowitz, glaub ichs denn?!"

"Dr. Kampmann, entschuldigen sie dass ich nicht früher gekommen bin, ich hab von ihrer Vertretung gehört dass sie Krank wären und da ich länger nicht mehr Krank war um sie in ihrer Praxis zu besuchen, konnte ich von ihrer Krankheit nichts wissen. Es tut mir leid"

"Und wieso wollten sie zu mir? Was haben sie gehabt?"

"Nichts Dr. Kampmann, ehrlich gesagt nichts. Ich wollte mich nur ein paar Tage Krankschreiben lassen."

"Ja Herr Moscowitz, ich leide seit ungefähr 4 Monaten an Niereninsuffizienz. Ein Dialysepatient eben. Mir haben sie sogar schon den grossen Zeh amputiert weil er abgefault war"

"Es tut mir leid"

"Mir nicht, der hat mir vorher mehr Probleme bereitet als jetzt!"

"Dr. Kampmann ich hab eigentlich garnicht soviel Zeit. Ich wollte sie nur mal kurz besuchen, kurz Hallo sagen und ihnen alles Gute wünschen."

"Danke Herr Moscowitz, das weiss ich sehr zu schätzen" ich war dabei mich umzudrehen als er nochmal nachsetzte und fortfuhr:

" Ach Herr Moscowitz, wie gehts Ihnen eigentlich Privat? Das letzte mal als wir uns in der Praxis sahen gings bei Ihnen Privat doch so ziemlich drunter und drüber oder irre ich mich?"

"Ne, die Sache ist ausgestanden. Die Frau ist Geschichte und der Ärger mit ihr gleich mit"

"Sagen sie mal was hatten sie nochmal studiert? Bauuuuwese...nein Archiktur, Architektur.. richtig?"

"Richtig"

"und sie hatten grosse finanzielle Probleme gehabt und generell hatten sie keine glückliche Phase"

"Stimmt Dr. Kampmann, aber heute bin ich glücklicher"

"Und ich bin heute weniger Glücklich.."

"Ist wohl der Lauf der Dinge sie wissen ja die Ups und Downs und so..."

"Wissen sie Herr Moscowitz, sie haben mir damals in meiner Praxis irgendwie vertraut und ihr Herz offengelegt. Darf ich ihnen heute eine kleine Geschichte erzählen? Haben sie soviel Zeit?" Hatte ich nicht. Aber er war ein feiner Mann , ich nahm mir die Zeit.

"Wissen sie, viele die mich heute so sehen in solch hohem Alter, kennen mich nicht wirklich. Sie kennen mich als einen immer ausgeglichenen Mediziner der nur die Familientradition fortsetzte und Arzt wurde. Ich hab aber kurz nach dem Kriegsende angefangen zu studieren. 1947 in München. Die Stadt war grösstenteils zerstört. Etliche junge Männer und sogar reife Männer wollten studieren. Stellen sie sich das mal vor, heute studieren 2 Jahrgänge miteinander. Damals haben 20 verschiedene Jahrgänge miteinander studiert." Er zeigte dabei mit der Zeigefinger zur Schläfe als er das sagte

"Viele kamen ja vom Krieg und mussten etwas werden und die Jugend sowieso, also was hat der Staat gemacht? Er hat den Andrang gesehen und hat ihn sich zu Nutze gemacht. Wir mussten alle erstmal ein Jahr auf dem Bau arbeiten bevor wir uns überhaupt immatrikulieren durften. Ich arbeitete auf dem Bau wie tausende andere junge Menschen Deutschlandweit. Viele Städte sind durch diese Massnahme wieder auf die Beine gebracht wurden."

"Eine kluge Massnahme wie ich finde"

"Finde ich auch Herr Moscowitz. Wussten sie eigentlich dass ich mal für ein Jahr ins Gefängnis musste? Nein, wussten sie nicht, aber ich war tatsächlich drin!"

Das hätte ich diesem alten und zerbrechlichen Mann mit so vorzüglichen Manieren niemals zugetraut. Ich wurde neugierig.

"Darf ich fragen wieso Dr. Kampmann?"

"Weil ich einmal einem französischen Offizier einen rechten Kinnhacken verpasste"

"Und deshalb mussten sie ein Jahr sitzen?"

"Ja wir waren ihnen ausgliefert wie Schafe. Die Amerikaner konnte man aushalten. Sie waren nie auffällig aber die Franzosen waren Jahre nach dem Kriegsende noch grausam zu der Bevölkerung. Der besagte Offizier nannte mich einmal "Du scheiss deutsches Schwein" und ich hab ihn direkt ausgeknockt. Dafür kam ich vor dem französischen Militärgericht und wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Ich wurde nach einem halben Jahr zwar begnadigt aber 6 Monate habe ich gesessen. "

Ich hörte mir die Geschichte und noch eine andere an und ging dann meiner Wege ohne sie zu kommentieren. Kampmann war ein zu guter Mann um ihn in seiner Lage noch kränken zu wollen.

Ich wusste nur dass Frankreich nicht nur unter den Nazis sondern auch schon davor im ersten weltkrieg so schlimm gelitten hatte dass ich ganz ehrlich nicht sicher war wie ich mich verhalten hätte, wäre ich ein französischer Soldat der die Möglichkeit bekäme sich endlich rächen zu können.


Jesse Cook - All That Remains

3
Apr
2012

Gequirlte Scheisse

Das ist -Hands down- das was die Leute de facto bloggen. Warum auch nicht? Anhand der Kommentare kann man sehen wie logisch das alles nur ist. Was da draussen in dem Zoo genannt Gesellschaft abläuft, spiegelt sich auch hier wieder. Je grösser die Scheisse die man von sich gibt, desto grösser der Zuspruch. "Filmeraten", 200 Kommentare! "Hurra, ich hab ein Päckchen bekommen" gefühlte 376 Kommentare..."Leute ich gehe jetzt scheissen, wer putzt mir den Arsch ab" 299 Kommentare. :)

Vorabgesagt, ja der Pinot Noir ist gut aber alles andere ist auch gut, die Gedanken sind klar, nur der Grad der Ehrlichkeit ist gestiegen was allerdings nicht immer gut ist in der Welt in der wir leben.

Das ist für mich ein Phänomen, wieso quasseln die Leute so eine gequirlte Scheisse? Noch schlimmer: Wieso finden soviele Lackaffen diese gequirlte Scheisse auch noch interessant? Kann es sein dass die Masse einfach prototypisch und mustergültig scheisse ist? Wenn man die Kommentare beobachtet dann sind sie teilweise noch einfältiger und nichtssagender als die Einträge selbst. Man oder eben Frau reisst sich darum etwas als Kommentar zu schreiben um Aufmerksamkeit und Verbundenheit vorzuspielen obwohl sie eigentlich nichts zu sagen oder schreiben hätten. Aus dieser Situation ergeben sich dann sinnlose einzeiler als Kommentare die dann dermassen flach, krampfhaft gezwungen und aufgesetzt sind dass man teilweise nicht weisst ob man lachen, weinen oder eben...Ich frag mich was denn dagegen sprechen würde wenn man auch mal eine Woche nichts schreibt wenn man wirklich nichts zu sagen hat? Oder vielleicht sogar noch länger nichts schreibt wenn man über ne längere Zeit nichts zu sagen hat? Wieso kommentieren diese Schleimer wenn sie doch ganz genau wissen dass das was sie als Kommentar abgegeben haben doch auch nur gequirlte Scheisse war?

I guess its cool or something...fuck it.

Played a little catch and long toss. That fucking idiot pitching, was getting ahead of himself, pumped his chest threw an unexpected fastball at me that i missed to catch properley, so it bounced from the glove and hit my thumb instead. My first reaction was that i didnt react at all. It hurt a little bit but nothing serious i thought. I Got back home, under the shower, i tried to squeeze a shampoo bottle and all of a sudden i noticed wow, this issue could be more serious than it initially looked like. It hurts man, it really isnt all that funny. Looks like a grade-A contusion.

By the way: Hey McArthur, in case you are reading: Fuck you buddy :)

You couldnt even hit a barn from 10 fucking yards, let alone a strike zone from 20. Give it up already.


Martin Fietz - Days Like This

Neuseeland (2)

"...the Cathay Pacific flight number one o six from Hong Kong to Auckland, has just arrived..."

Ich war da. Wieder ganz allein, wie schon immer in meinem Leben. Nichts neues.

Ich wollte unbedingt einen Kaffee also ging ich rüber zu einem Stand in Flughafen und verlangte danach

"coffee please!"

"Sorry?"

"Coffee please"

"Sorry we have no Coffee"

"What? You guys have no coffee to serve?"

"No sir"

"Awsome! You gotta be kidding me, are you serious? Do you have ANY sort of hot drink available or should i gather my things and go?" Ich lachte und die Frau lachte mit.

"What about Tea?"

"Whatever you think is the right stuff to cheer up a lonely and tired guy" Sie fing nun an richtig zu lachen und sie sah dabei gut aus.

"Come on, drink Black tea, give it a try!"

"What are you waiting for? go for it!"

Ich trank den Tee und verabschiedete mich von der Dame. Ich bekam lust auf körpernähe aber dafür war die Zeit noch nicht reif. Wie schon so oft musste ich mir jetzt schon darüber Gedanken machen wo ich denn schlafen könnte.


Ich ging raus, das Wetter war gut nur etwas Windig. Für einen Moment dachte ich ich ruf den Freund meines Vaters an um Rat zu fragen aber diese Option habe ich schnell wieder gestrichen. Von dem was ich über Neuseeland gelesen hatte, wusste ich dass Auckland eine sehr saubere und wohlhabende Stadt seien musste. Das war schon schlecht, zu saubere Städte asoziierte ich mit Reichtum, Dekadenz, Arroganz und dumpfe Konservatismus und ein Vagabund hatte es in solchen Städten immer schwer sich durchzuschlagen. Ein Arbeiterstadt war mir lieber. Frankfurt war gut, die hatten von beidem etwas, sowohl Reichtum als auch Elend, Berlin hatte noch ein bisschen mehr Elend zu bieten, München war nur schön, mit den Menschen kam ich nie klar, diese abgehobene, altertümliche, dämlich idyllische Bayernseele war mir nie geheuer. Für mich waren das immer ein Haufen Bauern die reicht geworden waren.

Ich nahm mir vor erst mal in die Stadt zu fahren um was zu essen und vielleicht ein Wodka7 auf Eis hinterher zu schieben.

"To downtown please" der Fahrer schaute mich ganz komisch an, sagte aber nichts. Ich sprach mit US Akzent und mir fiel auf dass das wort Downtown in diesem Zusammenhang dort wohl nicht ganz geläufig war. Egal er verstand mich und brachte mich in die Stadtmitte. Ich fand einen Laden der hiess "Hot peppers". Die Einrichtung schien mexikanisch zu sein und die Gäste sprachen durcheinander und in verschiedenen Sprachen. Ich hörte Serbo-koratisch, griechisch, englisch, indisch....

Ich bestellte ein Wodka auf Eis und ein Seven Up weil ich mir sicher war der Barkeeper würde niemals was mit dem Begriff "Wodka7" anfangen können.


John Weatherspoon sah aus wie ein Cowboy und war der einzige blonde in dem Laden. Er war 55 Jahre alt, 192 cm gross mit ziemlich breiten Schultern.

Mittlerweile war ich schon 2 Stunden in dem Laden und hatte einige Drinks drin. John kam nach mir, stand aber jetzt schon seit einer Stunde am Bar und unterhielt sich mit dem Barkeeper. Er trank nur australisches Bier. Fosters. Eine widerliche Brühe eigentlich.

Dieser John Weatherspoon sollte für mich über die nächten 10 Monate, sowas wie ein..wenn nicht Vaterfigur aber zumindest ein sehr guter Freund werden.

Koru - I Believe

2
Apr
2012

Kleine Lehren

Es gab in der Zeit als ich auf der Strasse und in den Filialen der Banken übernachtete, zwischen durch auch Zeiten in denen ich über ein paar Wochen auch mal ein Dach über den Kopf hatte. Irgendwie geriet ich an einem sehr hübschen, dunkelhaarigen, Mädchen von 20 Jahren. Sie wirkte ziemlich Reif, sehr scheu, sehr intelligent was ich an ihren wenigen sarkastischen und ironischen Sätze und Seitenhiebe feststellte die sie ab und an an mich richtete. Diese junge Frau lebte allein in ihrer Wohnung. Ich lernte sie kennen in der Kneipe in der ich arbeitete und in der sie ab un an als Gast auftauchte.

Irgendwann ging ich wohl in besoffenem Zustand zu ihr nach hause und von da an entstand zwischen uns eine ganz besondere und wortkarge Beziehung über 2 Wochen. Sie akzeptierte mich einfach als Zimmergenossen. Sie gab mir eine Schlüssel, ich kam und ging wann ich wollte, es interessierte sie gar nicht. Für mich jedoch war sie wie ein Engel mitten im harten Winter. Sie nahm mich auf und dafür wollte sie nichts zurück, vielleicht nur ein bisschen körperlicher Nähe wenn ich mal da war. Ich kam meistens sehr spät, 4 Uhr Morgens, 6 Uhr Morgens... ich stellte fest dass ich nicht mehr mit anderen Frauen schlief, ich ging direkt "nach Hause", legte mich zu ihr ins Bett, zog ihren Slip aus und tat das wonach es mir war. Mal war ich besoffen und legte ein ziemlich humorloses Program hin, mal kam ich früher Heim, schaute mit ihr Fern, kochte mit ihr zusammen das Essen, trank mit ihr Wein und befriedigte sie über Stunden und bis in den Morgengrauen... noch immer war es eine sehr wortkarge Beziehung. Sie schickte mich nie weg, sie hat mir nie was abgeschlagen, nie mir was vorenthalten. An den Nächten an denen ich spät nach Hause kam und ihren Körper ziemlich humorlos in Anspruch nahm, fühlte ich mich an dem nächsten Tag dermassen schlecht, dermassen Dreckig dass ich immer versuchte es wieder grade zu biegen. Sie verstand es wie keine zweite, mir Dinge zu verstehen zu geben ohne mich anzusprechen, was für ihr Alter sehr erstaunlich war. An solchen Nächten stand sie, nach dem ich mit dem Job fertig war ziemlich teilnahmslos auf, ging zur Toilette und entledigte sich meines Spermas, kam zurück und lag sich wieder hin, an den Nächten hingegen an denen ich mir Zeit nahm, es ihr recht tat und sie Gefallen daran fand, ging sie danach nie auf die Toilette, sie behielt das Sperma in ihrer Scheide und schlief zufrieden neben mir ein und gab mir damit einiges zu verstehen.

Irgendwann lernte ich eine andere Frau in der selben Kneipe kennen und verabschiedete mich von diesem Engel. Sie nahm es gelassen hin, nahm mir die Wohnungsschlüssel wieder ab, verabschiedete sich mit einem Handschlag wie unter Männern und wünschte mir alles gute.

"Lass dich mal wieder blicken wenn es dir danach ist"
"'Tu ich. Danke für alles".

Sie lächelte mich an und dann war ich weg.

Jose Luis Encinas - Noche En El Sur

1
Apr
2012

Edmund Avanesian

Wir spielten auf der Strasse fussball und rannten hintereinander her durch den teilruinen der noch nicht fertiggebauten Häusern. Im Kriegszeiten dauerten solche Bauten teilweise 7-8 Jahre bis sie fertiggestellt wurden. Einmal fehlte es an Zement, dann an Eisen, dann an Steinen oder auch an Kabeln. Das Metalgerüst war schon verrostet weil schon schon seit 2 Jahren nicht mehr mit der Arbeit vorranging. Sonne, Luft und Regen hatten die Oxidation beschleunigt. Die Ambiente war jämmerlich und trostlos, es war ein Neubaugegend im Nordosten Teherans wo die ersten anfingen auf den Hügeln ihre Häuser zu bauen.

Die Sonne schien unerbittlich und einige Jungs aus der Nachbarstrasse fanden sich zu uns um mit uns ein bischen Fussball zu spielen und hinterm Ball her zu rennen. Sie liessen mich und Edmund aber nach ner Weile wieder allein.

Ich war 9 Jahre alt und Edmund war 10. Er war ein iraner armenischer Abstammung und somit ein Christ. Die Eltern schotteten sich weitestgehend ab und hatten kaum Kontakt mit den wenigen Nachbaren. Ich und Edmund waren aber gute Freunde. Wir beide waren noch nicht mit Religion infiziert. Sie hatte uns noch nicht auseinander getrieben. Wir waren noch rein.

An dem besagten Tag hatte ich von meinem Vater die Anweisung bekommen um Punkt 12 zuhause zu sein weil ab Mittag die Sonne immer fürchterlich wütete und bis um 15 Uhr nicht mal ein Hund sich traute den Platz im Schatten zu verlassen.

"Edmund ich muss nach hause sonst schimpft mein Vater"

"Ok, kommst du um 4 wieder raus um Fussball zu spielen? Bis dahin wirds auch wieder kühler"

"ja, ich versuch zu kommen. Ich hoffe mein Vater erlaubts mir.."

Ich sagte das und lief richtung unserer Wohnung in der parallelstrasse. Ich hörte wie Edmund -nun allein- den Ball an die Wand schoss und auf den Abpraller wartete damit er wieder gegentreten konnte. Die Wand war nun sein Mitspieler. Ich lief immernoch.

Kurz vor der Haustür, begann die rote Sirene stadtweit zu erklingen. Ein Zeichen der irakischen Luftangriffen. Mein Vater stand schon an der Tür und winkte mich rein, er hatte noch die Tür nicht hinter uns zugemacht als etwas gigantisches uns beide zur Boden warf. Es war so heftig dass ich erstmal für ein paar Sekunden nichts hörte, dann nur grausames geklingel in den Ohren und dann kam Blut aus meiner Nase. Mein Vater schmiss sich auf mich und nochmal war so ein Geräuch zu hören. Der Putz fiel von den Wänden und alle Scheiben gingen in die Brüche wobei sie durch den Knall wie Granatensplitter in der Luft rumwirbelten und die gegenüber stehende Wand förmlich durchsiebten. Im Garten hatten wir einige Bäume. In den Bäumen steckten die Scheibensplitter haufenweise drin. Wenn wir gestanden hätten wären wir durchsiebt wurden. Wir lagen noch am Boden.

Edmund war noch am Fussballspielen als die Bomben fielen. Er hatte die Sirene gehört und war zum Haus gelaufen. Die Haustür aber wurde zuspät aufgemacht, Edmund klingelte und klingelte und die Bombe traf unglücklicherweise in der selben Strasse wo Edmund wohnte. 60 Bombensplitter durchsiebten seinen kleinen, unschuldigen Körper. Hätte der Vater die Wohnungstür 10 Sekunden früher aufgemacht wäre Edmund heute 42 Jahre Alt. Der Vater baute die Wohnung nicht zu Ende. Er nahm seine Frau und die kleine Tochter und wanderte aus nach Amerika. Vor 4 Jahren hörte ich dass sie mittlerweile in der Heimat ihrer Vorfahren in Armenien leben.

Saltilo - A Necessary End

Neuseeland 1

Ich hatte mich an der University of Auckland beworben und bekam wie durch ein Wunder für den Studiengang Geologie eine Zulassung.

Ein alter Freund meines Vaters lebte seit 30 Jahren in Perth/Australien und er versprach erstmal die Universitätskosten zu übernehmen bis ich dort Fuss gefasst habe. Ich war sehr Jung aber ich kannte diese Situation nicht dass mir jemand unter den Armen greifen wollte und ich fühlte mich auch nicht gut dabei. Ich rief den Typen in Australien an und erklärte dass ich unmöglich in seiner Schuld stehen könne, weil ich mir absolut nicht sicher wäre wann und ob ich überhaupt das Geld zurück zahlen könnte. Das wäre für mich eine riesen Belastung. Ich sagte ihm dass ich mit den Gedanken spielen würde, die ganze Sache selbstständig durch zu ziehen. Ohne Hilfe. Er hat ein bisschen so getan als wäre es eine Ehre mir helfen zu können weil er doch meinen Vater so gut kennen würde und bla bla... an seinem Ton merkte ich aber dass er garnicht so Traurig war dass er mir nicht helfen musste. Er liess seine Telefonnummer und bat mich ihn zu kontaktieren und zwar egal wann und warum auch immer. Ich nahm die Nummer an.

Ich arbeitete in dem VW Werk in Wolfsburg als Werksstudent obwohl ich nie eine Vorlesung besuchte. Ich hatte mich nach meinem Abitur lediglich in Bremen eingeschrieben nur damit ich besser an Jobs rankommen und Geld verdienen konnte. Die Arbeit im VW Werk Wolfsburg war ein Traumjob. 25 Mark Netto pro Stunde. Nachtschichten wurden mit 35 Mark die Stunde vergütet und wenn du an den Feiertagen im Lager arbeitetest und dazu noch Abends und Nachts dann kam man teilweise auf 60 bis 65 Mark die Stunde. In den 2 Sommerferien die ich dort voll gearbeitet hatte verdiente ich 13 000 Mark abgesehen von der Zeit während der Semester, in der ich 22 Stunden in der Woche arbeitete und noch immer auf 3300 Mark im Monat kam. Als ich meinen Studentenvisum abholte und mich so langsam richtung Neuseeland machen wollte, hatte ich 15 000 Mark gespart und das war damals eine Menge Geld. In Neuseeland konnte man damals für die Gesamtstudienzeit im vorraus zahlen oder man bezahlte jährlich. Ich hatte eine Zulassung für Geologie und musste mit allem drum und dran ca. 5000 NZ $ pro Jahr zahlen damit ich anfangen konnte zu studieren.

Meine Mutter war immer dagegen, sie meinte es wäre so schon schwer zu ertragen dass ich in Deutschland lebte, aber Neuseeland kam ihr verdammt weit weg vor und sie hatte Angst mich nicht mehr sehen zu können. Neuseeland war ja auch ein kleines Fläckchen was Gefahr lief unten aus der Karte zu fallen.


Ich flog mit KLM erst nach Hong Kong und von da mit Cathay Pacific nach Auckland. Hong Kongs Flughafen ist einfach von der Lage der schönste auf der ganzen Welt. Direkt eingebettet zwischen dem Meer, den Wolkenkratzern und den Bergen. Die Landebahn ist verdammt kurz und er stellt jeden noch so versierten Piloten vor einer grossen Herausforderung und gleichzeitig bekam es der Passagier der diese Umstände noch nicht kannte sofort mit der Angst zutun sobald er von oben die kurze Landebahn erblickte die dann direkt am Meer endete.

Digby Jones - Pina Colada

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